Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Apple

Man kann Apple lieben oder hassen, aber niemand kann es sich leisten, keine Stellung dazu zu beziehen. Das macht Apple aus. Heute hört man Geschichten über Steve Jobs, dessen Büro nach seinem Tod weiterhin unangetastet samt Namensschild wie ein Schrein aufrechterhalten wird. Ein großes Theater für Vorstellungen neuer Produkte wurde „Steve Jobs Theater“ genannt. Man hört, dass er ein iPhone ins Aquarium warf und zu aufsteigenden Luftbläschen sagte, dass dort noch Luft vorhanden sei, man es also kleiner bauen könne. Solche Geschichten hört man und idealisiert das Gesicht hinter der großen Marke.

 

Klar kam es Steve zugute, dass er im Silicon Valley aufwuchs, als der Computer boomte. Er brach sein Studium ab und ein Freund bei Atari bezahlte ihm eine Indienreise, auf der er etwas über östliche Religionen und den Menschen kennenlernte und kurzzeitig Frutarier war (wodurch er später auf den Namen „Apple“ kam). Als er Steve Wozniak kennenlernte und sie zusammen „Breakout“ rausbrachten, prellte er Wozniak durch eine Lüge und gab ihm nur ein Siebtel seines verdienten Anteils. Anschließend erfanden sie ein Gerät, um Telefongesellschaften zu betrügen und erfanden darauffolgend durch einen Zufall den ersten „Apple.“

 

Doch wer war Steve?

 

Steve fühlte sich als adoptiertes Kind ungeliebt und entwickelte daraufhin einen Kontrollzwang. Er war perfektionistisch und konnte es nicht ertragen, zu verlieren. Steve nahm die Dinge um sich herum oft verzerrt wahr. Wohl um sich sein perfektionistisches, kontrolliertes und manipulatives Weltbild aufrecht zu erhalten, nahm er, teilweise auch zur Verwunderung seiner Mitarbeiter, Sachverhalte ganz anders auf bzw. merkte sich diese deutlich anders, als sie sich objektiv betrachtet ereignet hatten. Er wurde als unangenehm und berechnend, aber auch als sehr rational und selbstsicher bezeichnet. Er konnte weder programmieren, noch hatte er Ahnung von Design. Er konnte nur die Leute lenken, manipulieren, werben und vorstellen. Aufgrund seines Kontrollzwangs war er dem „Apple II“ gegenüber sehr skeptisch eingestellt, zu dem er auch wenig beigetragen hatte. Es war Steve Wozniaks Projekt und das entzweite die beiden oft, auch wenn dies so selten nach außen drang. Steve überging das alte Projekt, besonders als der „Macintosh“ es ersetzte. Nach Machtkämpfen mit dem CEO von Apple, welcher vorher für Pepsi gearbeitet hatte, wurde Steve gefeuert, was dem Unternehmen in Folge schadete.

 

Lange bauschte Apple weiterhin ihren „Apple II“ auf und entwickelte nichts Neues. Dann kam Steve nach seinem eigenen Projekt „NeXT“ zu Apple zurück und präsentierte den „iMac“. „NeXT“ wurde von Canon gekauft – ein System, an dem immerhin auch das Internet getestet wurde. Da Steve damals auch in Pixar investierte, machte ihn der Börsengang nach „Toy Story“ zum Milliardär. Drei Jahre danach kaufte Apple Canon „NeXT“ ab und Steve wurde Berater, später vorübergehend sogar CEO. Wo er in den 80ern noch Millionen „Apple“ verschenken wollte, um damit Schulen auszustatten, reduzierte er gemeinnützige Projekte schließlich sehr stark, damit sich das Unternehmen auf dem Markt halten konnte. Heute steht Apple allerdings wieder mehr für Gemeinnützigkeit und Erneuerbarkeit.

 

„NeXT“-Technologie wurde zum „Mac OS X“ umgeschrieben und der „iMac“ rettete Apple. Innovative Folgeprodukte wie der „iPod“, das „iPhone“, das „MacBook“, das „iPad“, sowie die Software „iTunes“, mit deren Hilfe die Hardware miteinander verknüpft werden konnte, katapultierten das Unternehmen endgültig in den Technik- und Lifestyle Himmel.

 

Nach der Jahrtausendwende bezog Steve endlich ein Gehalt, wurde fester CEO und mit einem Jet und Millionen Aktien vom Unternehmen beschenkt. Zehn Jahre danach erlag er seiner Krebserkrankung und gab das Unternehmen an Tim Cook ab, der dieses bis heute leitet. Es folgten „AppleWatch“ und „AppleTV“, die Weiterentwicklung des „iPhone“ wurde stetig vorangetrieben und die Jubiläumsedition schlug tatsächlich auch technisch sämtliche Konkurrenten. Doch viel neuen Wind gibt es bei Apple nicht mehr. Kein neuer Durchbruch. Doch weiterhin bleibt Apple erfolgreich, auch wenn der „iPhone“-Verkauf seit Anfang 2015 stagniert. Es kann kein ewiges Wachstum geben, wenn kaum mehr neue Märkte erschlossen werden können. Das „iPhone“ brachte den Wert von Apple auf über 50 Milliarden Dollar und schaffte es bis 2015 das zu verfünffachen. Zu beobachten ist, dass der „iPod“ stirbt, das „iPad“ langsam folgt und dringend ein neuer Markt her muss.

 

Mir wirkte Steve mit seiner Geschichte etwas machiavellistisch, doch er besserte sich zum Schluss hin immer mehr und wurde ein durch und durch besserer Mensch. Er wusste wie Menschen ticken und konnte die dementsprechend wirkungsvollste Werbung bieten.

 

Das war seine stärkste Fähigkeit: Den Menschen klar machen, was sie brauchen.

 

Was gibt es für und was gibt es gegen Apple zu sagen? Die Gegner argumentieren, dass das System zu geschlossen sei, ideal für Kontrollfanatiker, schlecht für Optimierer und Aufrüster. Steve war ein Kontrollfanatiker. Das System spiegelte das wider. Die Leute halten es außerdem für zu teuer. Steve hatte immer einen eigenwilligen Geschmack für Perfektion und dieser forderte hohe Ausschüsse. Die gewaltigen Werbebemühungen tragen ebenfalls ihren Teil bei. Apple bietet nicht immer das schnellste und stärkste Modell, aber das hippste, schlankste und umweltbewussteste. Du kaufst nicht nur ein Produkt, sondern ein gepflegtes Image. So kann es schon mal sein, dass ein „iPhone“ für 200 Dollar hergestellt und für 800 vertrieben wird.

 

Wohl ist die Inkompatibilität aber das Hauptargument der Gegner. Auch klagen Gegner darüber, dass Apple oft spät nachziehe und Neuerungen bewusst auslasse, um sie mit großem Trubel später nachzuliefern. Sie feilen hier und da an alter Technologie und bringen sie aufgewertet auf den Markt, als wäre es technologisch das Aktuellste. Apple-Nutzer werden durch die überzogene und breit gestreute Werbung nahezu „sektenhaft“ gebunden und isolieren sich gegenüber anderen Systemen.

 

Die Nutzer schätzen die Einfachheit, die Sicherheit, die Funktionalität der hippen Apps, sowie die Tatsache, dass das System sehr stabil läuft und selbst mitdenkt. Das gut durchdachte „Mac OS“ spart einerseits Leistung, nimmt andererseits aber auch den Nutzer an die Hand. Es ist wesentlich schwerer zu hacken als Windows und es sind viel weniger Viren unterwegs, die für das „Mac OS“ konzipiert und entsprechend schädlich sind, als für alle anderen Systeme.

 

Selbst ich besitze ein Icicle von Apple als Sound-Interface und ein MacBook für unterwegs. Ich schätze die Funktionalität und das Design der Ware - so wie es ist - weiß aber auch, dass das Motherboard des „Apple II“ technisch genauso „geklaut“ war, wie der PC anschließend von Microsoft kopiert wurde. Die gesamte Design-Riege ließ sich von Bosch und Co. inspirieren und lieferte alte Konzepte, lediglich mit neuem Gewand versehen. Wir können nun also jubeln oder klagen - und beides wird das erfolgreichste Unternehmen der Welt wohl nur noch bestärken. Betrachten wir es, wie es ist - und heben es nicht auf eine idealisierte „Über-Ebene“, auf der es nie war.