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Schatten des Internets


Viele beschweren sich über die Inhalte auf YouTube. Tausende Kanäle gehen auf den Startseiten unter, da wenige Kanäle mit meist dünnen oberflächlichen Inhalten dominieren. Doch unser Klickverhalten hat YouTube so werden lassen. Durch das was wir feiern ermutigen wir die Macher genau dies weiter zu produzieren. Erfolgreiche YouTuber müssen aktiver werden, es gibt immer mehr Formate, weil immer mehr probiert wird. Doch langsam ist alles probiert und es wird immer verzweifelter gesucht. Formate ohne Zuspruch verschwinden, Formate die geklickt werden werden ausgeschlachtet. YouTube geht damit den Weg aller großen Medien. Netzwerke bilden sich und schalten Content gleich, lutschen Bekanntes immer weiter aus. Rote Kringel, Titten und Caps Lock sind das, was die geistig nur halbwegs anwesende Masse klickt. Tests belegen, dass jedes Video mehr als doppelt so oft geklickt wird, wenn Clickbaiting betrieben wurde. YouTube verkommt durch uns. Mit YouTube kann man Geld verdienen. Alles wodurch man Geld verdient, wird früher oder später auch korrumpiert.

Wir sitzen am Rechner weil er uns verbindet, weil er verspricht für uns da zu sein. Doch trennt er uns voneinander, je mehr er uns miteinander vernetzen möchte. Wir erschaffen damit eine Einsamkeit, der wir durch noch mehr Vernetzung und fremde Welten entfliehen wollen. Ein Teufelskreis. Auf Facebook werden nur die Inhalte gepostet, die gesehen werden sollen; was nicht alles darstellt was da ist. Dadurch glauben viele an ein verzerrtes ausschnitthaftes Bild von jemanden, trauern und neiden bei Relation zu ihrem eigenen Leben und gehen eher deprimiert daraus hervor.

Wir versuchen uns nicht selbst über den Weg zu laufen, keine Stille einkehren zu lassen, die uns nachdenken ließe. Nachdenken über schmerzhafte Dinge; eine Leere, die wir gezüchtet haben; ein Leben, welches wir nicht leben. Wir möchten uns aus dem Weg gehen, suchen Ablenkung und Zerstreuung. Darum schauen wir geistig seichte Kost, unterstützen diese Formate und beschweren uns, dass es nur noch geistig seichte Kost im Internet gibt. Unbewusstheit nennt sich das und ist der Quell allen Leides. Lasst uns mutiger sein und uns selbst begegnen. Das Netz ist geil, aber es nimmt uns nicht die Verantwortung für uns selbst ab.

Es gibt keine anderen die etwas versauen, wir alle formen das Netz. Die Aufmerksamkeitsspanne der YouTube-Zuschauer sinkt auf wenige Minuten, Jump Cut’s werden vorgenommen, mehr Videos, mehr Klicks, mehr Werbeeinnahmen. AdBlocker werden eingesetzt, weil die Werbung Überhand nimmt. YouTuber verdienen weniger und greifen darauf zurück ihre Zuschauer zu verkaufen und ihnen irgendwelchen Rotz anzudrehen. Aus einer Vlog-Serie wird eine Soap. Wir formen das Netz und es verkommt durch Unbewusstheit.

Viele sehen in den YouTubern Freunde, da sie immer da sind, viele Einblicke gewähren und psychologisch korrekt triggern. Der wiederholte Einblick ins Leben eines anderen lässt uns glauben, wir wären einander bekannt. Die Ähnlichkeit zum YouTuber bindet uns, Attraktivität stützt das, die aufgezeigten Sonnenseiten lassen uns aufsehen und neiden. Da wir den YouTuber mögen, gehen wir psychologisch von einer Spiegelung unserer Gefühle aus. Positive Gefühle durch seine Videos pushen uns, dauernde verbale Belohnung bindet uns weiter. Es entsteht eine sehr einseitige Freundschaft namens Fan-Sein. Wir nennen diese Menschen Freunde, oder fühlen es so, sind es aber nicht, leben es nicht. Wir konzentrieren uns auf jemand anderen und lassen uns etwas geben, was wir bei uns nicht suchen wollen. Lebendigkeit. Das Wort Freundschaft verliert im Netz seine Bedeutung, weil eine Freundschaft bereits mit einem einzigen unbedachten Klick erreicht wird.

Wie eine Droge hetzen wir diesem Gefühl durch die URL’s nach, aber eigentlich bringt nichts mehr von dort wirkliche Befriedigung. Und der YouTuber? Der ist nicht glücklicher. Der Druck die Zuschauer zu verlieren, die Zuschauer nur noch eine Zahl, keine Menschen mehr, nur eine Statistik. Klickvieh. Es muss gelockt werden, gebunden werden, man muss mehr geben. Doch eigentlich will man mehr Reallife führen, dennoch lädt man als YouTuber immer mehr hoch, braucht immer fettere Videos. Er gibt und gibt und gibt und doch kann er nichts schenken, denn es hat so zu sein. Views, Abos, Likes, Donations, Follower, alles ist gestaffelt. Er eifert nur auf die nächste Hürde zu. All der Zuspruch der Fans sollte gut tun, doch es ist nur ein Deckmantel des Drängens nach mehr Inhalten. Damit der Fan-Magnet nicht aufhört die Bedürftigen zu füttern.

Während die Zuschauer ihre Zeit investieren, liefert der YouTuber was er eigentlich nicht hätte, vielleicht nie wollte und der Zuschauer im Herzen nicht erträgt. Denn es will selbst erleben. Der Youtuber entwertet das Tun, wenn er tut, ohne Herz und ohne Nachdenken, einfach um zu tun. Während er aus Spaß begann, driftete er ab in die Erwartungen der Zuschauer und funktioniert nur noch. Die Sache gerät in den Hintergrund. Das Drumherum das niemand sieht wird zum Vordergrund und er tut noch mehr, damit er angeblich authentisch bleibt. Dabei verliert er sich.

Wir alle wissen das. Machen wir so weiter? Wissen wir noch wirklich wieso wir das tun? Wer wir waren? Wer wir geworden sind? Ob wir das von Herzen wollen? Nur eine kleine Anregung, zum Selbstdenken, statt immer nur mit fremden Gedanken zu denken. Aber Gedanken sind ja überall nachzulesen. Das Netz wird zu einem Menschen-Katalog. Man muss nicht mehr fragen, man klickt einfach weiter wenn etwas nicht gefällt und stupst an wo es doch gefällt. Doch wer alles von sich Preis gibt, der will sich von seiner besten Seite zeigen und spielt eine Rolle, verliert die Authentizität. Durch diese Oberflächlichkeit verfallen unsere Werte und es ist eigentlich egal was wir tun und wer wir sind. Ob wir etwas zu verbergen haben oder nicht ist völlig egal. Es geht dabei um den innersten Rückzugsort, um einen Raum der Sicherheit, einen Schleier des Unbekannten, der Neugierde wecken kann. Wir sind nur wir, wenn wir unter uns sind, wenn wir daheim unter uns sein wollen.

Selektive Authentizität schadet unserem individuellen Selbst und das darf nicht voranschreiten. Unterstützt wird das durch die Gamifikation. Schule, Fitnessstudio, Ernährungsapp, Google Maps, Facebook. Immer mehr Möglichkeiten gibt es um Punkte, Level und Ränge zu vergeben und diese Gamifikation, diese Wettbewerbs-Schaffung kann zwar auch motivieren, legt aber blank was jemand tut und reduziert ein Individuum auf einen Zahlwert. Das kann nicht sein was wir wollen.